Die Regensburger Verkehrsbetriebe GmbH informiert:

Regensburg, 10.07.2000

33 neue Busse auf einen Streich
Anregungen durch Lufthansa bei der Kostenbewertung / Behindertenfreundliche Niederflurtechnik

Vor wenigen Tagen haben die Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) den größten Busauftrag seit ihrem Bestehen vergeben. Wert: 12,5 Millionen Mark. 33 Busse des neuen Typs Citaro von EvoBus, einem Unternehmen der Mercedes-Benz AG, sollen noch in diesem Jahr geliefert werden. Die ersten 4 kommen bereits im September. Damit fahren die Verkehrsbetriebe ab Anfang 2001 mit 2 Ausnahmen nur noch mit behindertengerechten Niederflurbussen. Erstmals haben die Verkehrsbetriebe auch ein neues Ausschreibungs- und Vergabeverfahren durchgeführt: die Bewertung nach Lebensdauerkosten statt nach alleinigen Anschaffungskosten. Geschäftsführer Bernd-Reinhard Hetzenecker bezeichnete das neue Vorgehen als "die dritte RVB-Stufe auf dem Weg zum Wettbewerb im öffentlichen Personennahverkehr".

Vorbild war die Lufthansa. Bekanntlich hat die Luftfahrt schon seit längerer Zeit vollen Wettbewerb. Hetzenecker: "Die Ansprechpartner bei der Lufthansa waren sehr kooperativ und haben uns in der Anfangsphase unterstützt." Für die RVB waren das wesentliche Impulse für das dann von ihr eigens entwickelte Bewertungssystem. Immerhin rund 40 Prozent der gesamten Betriebskosten sind reine Fahrzeugkosten, rund 60 Prozent sind Personalkosten, so Hetzenecker, der zugleich auch Geschäftsführer der Regensburger Badebetriebe, der Werkstattbetriebe und der Stadtwerke-Muttergesellschaft ist. "Was die Personalkosten betrifft, so haben wir mit dem Wechsel des Arbeitgeberverbandes und der Gründung der REBUS bereits erhebliche Einsparmöglichkeiten geschaffen." Die Frage nach darüber hinaus gehenden Möglichkeiten zur Verringerung der Fahrzeugkosten beschäftigt die RVB ebenfalls seit Längerem: Optimierung der Abstände zwischen den Wartungen oder die 2-Tages-Betankung bei Gelenkomnibussen waren nur zwei von mehreren Maßnahmen, die die RVB bereits umgesetzt hat.
Die Unterhaltskosten für Fahrzeuge wachsen mit zunehmendem Alter bekanntlich an, andererseits sinken die Kapitalkosten. Auch bei den Fahrzeugsystemen gibt es erhebliche Unterschiede. Die Reparaturkosten beim günstigsten Gelenkbus betrugen im gleichen Jahr 1,05 Mark pro gefahrenen Kilometer, beim teuersten 2,28 Mark. "Hochgerechnet auf 10 Jahre hätte uns das schlechteste Fabrikat geschenkt werden müssen, um am Ende der Nutzungsdauer Kostengleichstand mit dem besten Fahrzeug zu erreichen."
Auch die neue Strategie - viele Fahrzeuge "im Paket" gleichzeitig zu kaufen - bringt, so Hetzenecker, nicht nur niedrigere Einkaufspreise, sondern auch Vorteile bei der Wartung und Instandhaltung.

Mehr als "life cycle costs"
Das neue Verfahren bewertet nun den Anschaffungspreis, die Kraftstoffkosten und die Reparaturkosten innerhalb von 10 Jahren. Dazu haben die Verkehrsbetriebe mit den Werkstätten zusammen detaillierte Vorgaben zu Reparaturzeiten und Ersatzteilbedarf erarbeitet. Jeder Bieter hatte die Möglichkeit, bessere Werte zuzusichern, zum Beispiel einen geringeren Ersatzteilverbrauch als bis dato in den Regensburger Werkstätten benötigt. Aber bei den jetzt bestellten Bussen ist der Bieter zum finanziellen Ausgleich verpflichtet, wenn die zugesagten Werte nicht erreicht werden, betonte Hetzenecker. Bei der europaweiten Ausschreibung haben 3 Bieter ihr Angebot abgegeben. Im März und April sind die Busse hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs getestet worden.
Den Zuschlag erhielt EvoBus (Mercedes Benz AG), die sowohl beim Anschaffungspreis, beim Kraftstoffverbrauch und den Reparaturkosten am günstigsten lag.